Die Weltsituation 1966

Wie kam es eigentlich zur Gründung eines ABC-Dienstes? Welche Aufgaben wurden dieser Einheit ursprünglich zugedacht?

Um diese Fragen beantworten zu können, sind in erster Linie weltpolitische Veränderungen von Bedeutung, die sich vor dem Jahre 1965 abspielten. Dieser kurze Rückblick soll die Ereignisse nach Kriegsende, die die ganze Welt in Atem hielten, noch einmal Revue passieren lassen.

Die ehemals gemeinsam gegen den deutschen Faschismus kämpfenden Großmächte USA und UdSSR, standen sich bereits kurz nach Kriegsende feindlich gegenüber. Die Sowjetunion bildete mit den Satellitenstaaten im östlichen Europa den „Warschauer Pakt“ als militärisches Bündnis. Ihm gegenüber bildete sich in Westeuropa (unter Führung der USA) das Nordatlantische Verteidigungsbündnis (NATO). Die Vereinten Nationen (UN), als gemeinsam gegründetes Organ zur Sicherung des Weltfriedens, vermochte nicht die Situation zu entschärfen. Stattdessen schloss sich der „Eiserne Vorhang“ durch Konflikte, wie den Koreakrieg 1950-53, den Algerienkrieg 1955 oder den Ungarnaufstand 1956, vollends.

Die Weltpolitik wurde bestimmt durch ein „Gleichgewicht des Schreckens“, das durch technologische „Fortschritte“ auf dem Gebiet der Waffentechnik mehr und mehr eskalierte. Die Abwürfe der ersten Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki (1945) zeigten in grausamen Maße die Auswirkungen der militärisch genutzten Kernspaltung. In den ersten 20 Jahren nach dem II. Weltkrieg konzentrierten sich die Blockstaaten auf die Entwicklung von Waffen mit immer verheerenden Auswirkungen, wobei Landes- oder Kontinentalgrenzen durch parallele Förderung der Raketentechnik für keinen Staat mehr Schutz bieten konnten. Bis 1963 wurden von den fünf entstandenen Atommächten (USA, UdSSR, Großbritannien, Frankreich, Volksrepublik China) im Schnitt ein Atomtest pro Woche durchgeführt, der Warschauer Pakt und die NATO wurden zu Atomstreitmächten umstrukturiert.

Die auf der ganzen Welt verbreitete Anspannung zur Zeit des Kalten Krieges machte sich im geteilten Deutschland als ‚Grenzstaat‘ im besonderen Maße bemerkbar. Seit 1956 wurde die Bundeswehr im Rahmen der NATO aufgebaut. Unter Verzicht auf atomare, biologische und chemische Kampfstoffe erreichte sie 1964 ihre Sollstärke von 500.000 Mann und wurde somit knapp zwei Jahrzehnte nach Beendigung des II. Weltkrieges zur größten westeuropäischen Streitmacht. Trotz des eigenen Verzichts auf ABC-Waffen war die Angst vor den Auswirkungen, verbunden mit der Unkenntnis über geeignete Schutzmaßnahmen, in der Öffentlichkeit spürbar.

Am 11. Dezember 1953 wurde die „Bundesanstalt für zivilen Luftschutz“ errichtet, deren Ziel es u.a. war, die Prüfung und Auswahl der für den Luftschutz bestimmten Geräte und Mittel durchzuführen. Durch das „1. Gesetz über Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung“ vom 9.Oktober 1957 wurde der zivile Luftschutz als Aufgabe des Bundes festgelegt (Schutz der Bevölkerung gegen die Gefahren von Luftanriffen und die im Zusammenhang mit Luftangriffen auftretenden Notstände zu beseitigen bzw. zu mildern). Hilfeleistungen und Rettungsmaßnahmen bei Friedenskatastrophen wurden dagegen durch die Länder getragen und finanziert.

Dem durch ein Gesetz vom 5. Dezember 1958 errichteten „Bundesamt für zivilen Bevölkerungsschutz“ wurden die bisherigen Aufgaben der Bundesanstalt für zivilen Luftschutz übertragen.

Mit dem Gesetz über die Erweiterung des Katastrophenschutzgesetzes (KatSG) vom 9. Juli 1968 wurde erstmalig die scharfe Trennung zwischen dem Katastrophenschutz im Frieden und dem Zivilschutz im Verteidigungsfall gelockert. Das Potential des Katastrophenschutzes wird den Bedürfnissen des Zivilschutzes entsprechend zusätzlich ausgestattet und verstärkt. Diese Zuordnung impliziert die Abstimmung und Vereinheitlichung der Grund- und der zusätzlichen Ausstattung.

Darüber hinaus legt das „Gesetz zur Änderung des Ersten Gesetzes über Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung“ vom 2. August 1976 fest, dass Einheiten, Einrichtungen und Anlagen des Zivilschutzes sowie deren Ausstattung auch im Frieden eingesetzt werden können.

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