Der ABC-Dienst etabliert sich als Einheit der FF (1986-1996)

Im Laufe der Zeit wurde der ABC-Dienst mit den ersten Funkmeldeempfängern (FME) aufgerüstet, allerdings nur für die Führungskräfte. Zu Beginn des Jahres 1986 wurde die kommunale Alarmbereitschaft des ABC-Dienstes ins Leben gerufen. Dies bedeutete, dass jeweils eine Gruppe am Samstag von 08.00 – 13.00 Uhr die Fahrzeuge besetzen sollte; alarmiert wurden sie jedoch nie.

Plötzlich und unerwartet verstarb am 9. März 1986 der erste Einheitsführer Horst Karrenberg; sein Amt wurde vom damaligen Zugführer Manfred Landau übernommen.

Ein Ereignis in der Nacht vom 25. auf den 26. April im fernen Russland, genauer gesagt in Tschernobyl, hatte ganz gewaltige Auswirkungen auf den ABC-Dienst. Wer meint, dies sei unsere Stunde gewesen, der irrt sich. Gemäß der Aufgabenbeschreibung ist der ABC-Dienst genau für eine solche Situation ausgebildet und auch ausgerüstet. Aus unerklärlichen Gründen wurde der Wuppertaler ABC-Dienst jedoch nicht für eine einzige Messung oder sonstige Tätigkeit eingesetzt. Es wurden vielmehr die Messgeräte mit der Begründung entzogen, dass sie überprüft werden müssten. Der ABC-Dienst wurde seiner Messgeräte beraubt und somit zum Nichtstun verurteilt.

Auf Grund dieser Tatsache zog die Führung ihre Konsequenzen. Sie trat geschlossen Ende 1986 zurück und die meisten von ihnen traten auch aus der Feuerwehr Wuppertal aus. Durch den Rücktritt der Führung musste ein neuer Einheitsführer und Zugführer bestellt werden. Dies geschah an der Jahreshauptversammlung im Dezember 1986. Zum Einheitsführer wurde Gero Leuther und zum Zugführer Michael Hesse ernannt. Der scheidende Einheitsführer Manfred Landau erhielt für seine Verdienste um die Einheit das Feuerwehr Ehrenkreuz.

Im Sommer 1989 trat der Einheitsführer Gero Leuther aus beruflichen Gründen zurück und Manfred Landau übernahm wieder die Einheitsführung. Ende 1989 trat der Zugführer Michael Hesse ebenfalls aus beruflichen Gründen von seinem Amt zurück und Charles Hofer wurde zum neuen Zugführer und stellvertretenden Einheitsführer bestimmt.

In der folgenden Zeit galt es, den ABC-Dienst bei der Berufsfeuerwehr bekannter zu machen. Einige Kameraden unternahmen eine „Promotion-Tour“ auf allen Wachabteilungen der Berufsfeuerwehr in Elberfeld und Barmen, wo die Einsatzmöglichkeiten des ABC-Dienstes praktisch vorgestellt wurden. Es ging vor allem um den Einsatz des Dekontaminations-Mehrzweckfahrzeuges zur Beseitigung von längeren Ölspuren. Parallel wurde versucht, verstärkt in das Einsatzgeschehen eingebunden zu werden. Dies gelang Stück für Stück bei der Beseitigung von Ölspuren und sonstigen Verunreinigungen auf der Straße.

UmweltschutzeinheitIm Herbst 1991 hatte die Berufsfeuerwehr Wuppertal ein System zur Löschwasserrückhaltung angeschafft und den ABC-Dienst mit dieser Sonderaufgabe zum 1. Januar 1992 betraut. Mit Übernahme dieser neuen Aufgabe auf dem Gebiet des Umweltschutzes kam der Gedanke auf, dies auch im Namen der Einheit nach außen zu zeigen. Mit der Übernahme eines zum Gerätewagen Löschwasserrückhaltung (GW-LWR) umgebauten LF 8 am 5. Oktober 1993 erfolgte auch die Namenserweiterung in „Umweltschutzeinheit – ABC-Dienst der Freiwilligen Feuerwehr Wuppertal“.

An der Jahreshauptversammlung im Dezember 1993 wurde ein neuer Einheitsführer von den Kameraden gewählt, da Manfred Landau nach der erfolgreichen Umstrukturierung des ABC-Dienstes jüngeren Kameraden Platz machen wollte. Charles Hofer wurde zum Einheitsführer sowie Axel Rose und Dirk Romczykowski zu stellvertretenden Einheitsführern gewählt.

Die Amtsübergabe fand im Februar 1994 statt. Diese Feier war zugleich die Abschiedsfeier vom Standort „Am Brögel“, da dieses Gerätehaus durch die Auflösung der Löscheinheit Barmen aufgegeben werden sollte. Im April fand der Umzug von der „alten Wache“ zur Feuerwache 1 der Berufsfeuerwehr statt. Es sollte jedoch noch über ein Jahr dauern, bis dort die Räumlichkeiten entsprechend hergerichtet waren. Unser Domizil, das in der „letzten Ecke“ der Wache liegt, ist zu erreichen, indem man an den Mülltonnen vorbeigeht und die letzte Türe auf der rechten Seite öffnet. In dem Aufenthalts- und Büroraum ist ein Platzangebot von rund 1 m2 für jeden der 35 Mitglieder. Für theoretische Ausbildung wird seitdem der Wachabteilungsunterrichtsraum genutzt. Kurze Zeit später musste auch der Standort „Am Dornloh“ geräumt werde. Das dort eingelagerte Material des ABC-Zuges wurde zur „Otto-Hahn-Straße“ verlagert.

Die Zweiteilung der Einheit, wie sie vorher in Ausbildungsgruppe und Zug existierte, gab es seit Anfang der 90-er Jahre nicht mehr. Nur räumlich ist die Unterteilung noch vorhanden, da alle kommunalen Fahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände auf der Feuerwache 1 und die Bundesausstattung an der Otto-Hahn-Straße im Katastrophenschutzzentrum bereit stehen.

 

Die ersten Jahre als Löscheinheit der Freiwilligen Feuerwehr (1976-1986)

In den nächsten zwei Jahren versuchte sich der ABC-Dienst in die Freiwillige Feuerwehr zu integrieren, um eine bessere Einbindung in den Katastrophenschutz der Stadt Wuppertal zu erreichen.

In einem Schreiben des zuständigen Sachbearbeiters „Einsatz/Organisation der Katastrophenschutzeinheiten“ an den damaligen Amtsleiter des Amtes für Zivilschutz wurde zu dieser Integration folgendes bemerkt:

Ärmelabzeichen FF Wuppertal„[…]Leider war die Entwicklung der 3 ABC-Züge in Bezug auf eine bessere Zusammenarbeit mit allen Kräften und Organisationen des Katastrophenschutzes nicht so, wie man es sich vorstellte. Es stellte sich heraus, daß eine gemeinsame Benutzung der Ausrüstung und der Spezialfahrzeuge von mehreren Einheiten (ABC-Züge) dazu führte, daß die hochempfindlichen Geräte und Ausrüstungsgegenstände nicht in dem erforderlichen Umfang gewartet wurden, so daß ein höherer Verschleiß festzustellen war. Da es sich dabei ausschließlich um Bundesausstattung handelte, war mit einer Neubeschaffung von Ausrüstung nicht zu rechnen. […]“

Der wesentliche Faktor wurde jedoch in der vollkommen mangelhaften Zusammenarbeit der ABC-Einheiten mit den anderen Trägern und Einheiten des Katastrophenschutzes gesehen. Man stellte fest, dass eine Integration der ABC-Einheiten in den Verband der Freiwilligen Feuerwehr nicht in dem erforderlichen Umfang stattgefunden hatte. Nach damaliger Auffassung lag das im Wesen der Freiwilligen Feuerwehr, die auf eine lange Tradition zurückblicken kann und anderen Hilfsorganisationen skeptisch gegenüber steht. Auf Grund der Tatsache trat eine Verunsicherung bei den Führungskräften und den Helfern der ABC-Einheiten auf, die nach Meinung des Amtes 38 (Amt für Katastrophenschutz) die Einsatzbereitschaft erheblich in Frage stellte. Die ABC-Einheiten wurden als Anhängsel der Freiwilligen Feuerwehr gesehen und das könnte sich die Stadt Wuppertal in bezug auf die Wichtigkeit der ABC-Einheiten infolge der Industriestruktur nicht leisten.

Die Situation der ABC-Einheiten stellte sich zu diesem Zeitpunkt (Oktober 1977) so dar, dass vom Bund ein ABC-Zug mit 42 Helfern anerkannt und in die 1. Stufe der Verstärkung aufgenommen war. tatsächlich existieren 3 ABC-Züge mit 125 Helfern, wobei die Ausrüstung und die Mittel des Bundes nur für die Ausbildung eines Zuges vorhanden war.

Zur Lösung dieses Problems schlug man vor, daß der II. ABC-Zug wieder dem Amt 38 als Regieeinheit zurückgeführt werde. Die restlichen Einheiten und Helfer sollten kontinuierlich in den Brandschutz integriert werden, wobei die ausgebildeten ABC-Helfer den Stamm für die ABC-Trupps der Brandschutzeinheiten bilden sollten.

Mit diesem Lösungsvorschlag war das Amt 37 (Feuerwehr) in keinster Weise einverstanden, was sich in dem Brief des Amtes 37 an den Oberstadtdirektor vom 05. Dezember 1977 widerspiegelte:

„[…] In einem Gespräch des Amtes 37 mit den Zugführern der ABC-Züge wurde eindeutig festgehalten, daß eine Rückführung zur Regieeinheit auf keinen Fall eine Erhöhung des Einsatzwertes mit sich bringen würde. Weiter wurde von den Zugführern und der Geschäftsführung der Freiwilligen Feuerwehr bekräftigt, daß die Integration in die Feuerwehr zu zufriedenstellenden Ergebnissen geführt hätte. Es wurde ausdrücklich erwähnt, daß eine fruchtbare Mitarbeit der ABC-Züge im Kreise der Freiwilligen Feuerwehr – auch bei Übungen – gegeben ist und zwar viel positiver als zu früheren Zeiten unter der Obhut des Amtes 38. […]“

Ein weiterer Punkt, der gegen eine Rückführung des II. ABC-Zuges sprach, war der Umstand, dass damit die wenigen Fahrzeuge und Geräte aus dem Einflussbereich der Feuerwehr entfernt würde. Dies würde bedeuten, daß der I. und III. ABC-Zug keine Ausbildung mehr betreiben könnte. Faktisch käme dies einer Auflösung zweier Züge gleich.

Die Antwort des Amtes 38 an das Amt 37/1 kam in Form einer Anordnung (15. Mai 1978):

„[…]Der bisherige II. ABC-Zug nimmt ab sofort die Aufgaben der ABC-Abwehr im Katastrophenschutz der Stadt Wuppertal wahr und erhält die taktische Bezeichnung „I. ABC-Zug Wuppertal (FFw)“ Wegen der Wichtigkeit der Aufgabe wird die Stärke des Zuges auf 1/49 festgesetzt.

Die vorhandenen und noch auszuweisenden Kraftfahrzeuge sind ausschließlich für Ausbildungs- und Einsatzaufgaben im I. ABC-Zug einzusetzen. Einem anderweitigen Einsatz der Ausrüstung und der Kraftfahrzeuge wird nicht zugestimmt.
Standort der Einheit ist Wuppertal-Langerfeld, Am Dornloh[…]“

Anscheinend hatte der damalige Amtsleiter des Amtes 38 seine Kompetenzen etwas überschritten, denn in der Antwort des Amtes 37 wurde dargelegt, dass allein der Hauptverwaltungsbeamte die Weisungsbefugnis gegenüber den öffentlichen Einheiten und Einrichtungen und nicht der Amtsleiter (Amt 38) hat. Somit war die Anordnung nichtig und das Amt 37 machte dem Amt 38 am 22. Mai 1978 folgenden Vorschlag:

„[…]Auflösung eines ABC-Zuges im Zuge des natürlichen Abganges der auf 10 Jahre verpflichteten Helfer
Übernahme von ABC-Helfern auf freiwilliger Basis in andere Züge, u.a. in den aufzustellenden Veterinärzug
Intensive Zusammenarbeit des ABC-Dienstes und der Berufsfeuerwehr mit der insgesamt in Wuppertal zur Verfügung stehenden Ausrüstung auf dem ABC-Gebiet[…]“

Bei einem Gespräch zwischen den Ämtern 10, 37 und 38 am 22. September 1978 wurde dann festgelegt:

„[…] In Wuppertal wird nur ein ABC-Zug aufgestellt. […]“

Die Begründung hierfür war, dass durch den Erlass des Innenministers des Landes Nordrhein-Westfalen vom 8. April 1969, mit Wirkung vom 1. April 1969, die Stärke des ABC-Dienstes innerhalb des Katastrophenschutzes für Wuppertal mit 38 Helfern = 1 Zug festgelegt wurde. Diese Stärke wurde 1970 durch den Regierungspräsidenten in Düsseldorf bestätigt und bis Oktober 1970 fortgeschrieben.

Daraufhin wurde vereinbart, dass

  1. eine Rückführung des ABC-Dienstes in Regieeinheiten des Amtes 38 nicht erfolgt
  2. das Amt 37 sich bemühen wird, die z.Z. bestehenden drei ABC-Züge in Zusammenarbeit mit den ABC-Zugführern auf einen Zug zu reduzieren, wobei die überzähligen Helfer in den übrigen Einheiten des Katastrophenschutzes untergebracht werden sollen.

Es dauerte danach gut ein Jahr, bis am 13. August 1979 der Oberstadtdirektor den nachfolgenden Entscheidungsvorschlag als Verfügung (Organisation des ABC-Dienstes) in Kraft setzte:

„Für die Aufgaben des ABC-Dienstes wird ein ABC-Zug in Übersollstärke mit einer 100%-tigen Personalreserve gebildet. Der Zug wird organisatorisch der Freiwilligen Feuerwehr angegliedert; für personelle Betreuung ist das Amt 37 zuständig. Die Personalstärke des ABC-Zuges wird auf 84 Helfer festgesetzt. Hiermit soll sichergestellt werden, daß bei personellen Ausfällen ausgeglichen werden kann und ggfs. bei Bereitstellung des Materials für einen zweiten ABC-Zug genügend ausgebildete Helfer vorhanden sind.“

Wache 24Als Konsequenz dieser Verfügung fand im Oktober 1979 ein Gespräch statt, wobei vereinbart wurde, daß der Zugführer des ABC-Zuges in Übersollstärke durch die Organisation (Freiwillige Feuerwehr) bzw. durch den Amtsleiter 37 und durch den HVB bestätigt werden muss. Anschließend sollten 84 qualifizierte und ausgebildete Helfer aus den bestehenden drei ABC-Zügen im Einvernehmen mit dem neuen Zugführer ausgewählt werden; ihre Fortbildung fand im Katastrophenschutzzentrum „Am Dornloh“ statt. Mit den übrigen Helfern (ca. 25-30) wurde eine ABC-Ausbildungsgruppe für den kommunalen ABC-Schutz gebildet, die auch die Ausbildung der ABC-Trupps aller Fachdienste der Freiwilligen Feuerwehr durchführte. Sowohl die Grundausbildung für die neu verpflichteten Helfer als auch die Ausbildung der ABC-Trupps aller Fachdienste der Freiwilligen Feuerwehr sollte in der Feuerwache „Am Brögel“ betrieben werden. Um die rechtlichen Bedenken des Amtes 38 auszuräumen sollte der ABC-Zug in den kommenden 2-4 Jahren auf 50-55 Helfer reduziert werden.

Im Januar des Jahres 1980 wurde dann festgelegt, wer die Führungspositionen im ABC-Dienst übernehmen sollte. Die Gesamtleitung alle ABC-Züge der Verstärkung und des kommunalen Teiles hatte Horst Karrenberg; in dieser Funktion war er der erste Einheitsführer. Als Zugführer des 1. ABC-Zuges der Verstärkung wurde Manfred Landau benannt. Die Kameraden Hans Metzler und Claus Kannenberg übernahmen die Funktion als Zugführer des kommunalen Teils und der Ausbildungsgruppe.

Neben der personellen Besetzung des ABC-Dienstes wurden die Aufgaben der Ausbildungsgruppe und der kommunalen Einsatzgruppe festgelegt. Die ABC-Helfer sollten auch in Zukunft neben ihrer rund zweijährigen Ausbildung zum ABC-Helfer auch eine 70-stündige Brandschutzerziehung erhalten (TM1). Die kommunale Einsatzgruppe sollte für den ABC-Schutz unterhalb der Katastrophenschwelle ausgebildet, ausgerüstet und eingesetzt werden.

Mit neuen Aufgaben und einem neuen Dienstherrn versehen, könnte man meinen, es wäre endlich Ruhe in den ABC-Dienst gekommen. Doch dem war nicht so.

Fahrzeuge vor Wache 24Hatte man bei der Übernahme des ABC-Dienstes noch Probleme mit der großen Anzahl von Helfern, wandelte sich diese Situation im Jahre 1981 schlagartig. Bis Ende 1982 endete bei 42 der derzeit 95 Helfer die 10-jährige Verpflichtungszeit; nochmals 26 Helfer schieden im Jahre 1983 aus. Somit war die Zugstärke und die Personalreserve von 100% stark gefährdet. Das Ausscheiden der Helfer war eine direkte Reaktion auf die verschiedenen, in der Vergangenheit erlassenen Anordnungen, die die Motivation der Helfer negativ beeinflusst hat.

Der Leiter der Feuerwehr kam auch zum Schluss, dass dieser Personalabgang nicht komplett mit Neuverpflichtungen aufzufangen ist. Um die Reduzierung des ABC-Personals aufzufangen, hatte er vorgesehen, den ABC-Zug mit den Kräften aus dem kommunalen ABC-Bereich aufzufangen. Mittelfristig sollten jährlich mindestens 10 bis 15 Helfer neu verpflichtet werden, um die Sollstärke von 84 Helfern zu erhalten.

Ende 1981 stellten der Wehrführer und der Zugführer des ABC-Dienstes in einem Brief an die Verantwortlichen fest, dass bei einem weiteren Personalschwund der ABC-Dienst seine Aufgaben nicht mehr in vollem Umfang wahrnehmen kann. Die Verfügung des Oberstadtdirektors wurde in Frage gestellt. Eine Antwort auf dieses Schreiben konnte nicht gefunden werden.

Der Personalstand erreichte in den kommenden Jahren nicht mehr die erforderten 84 Helfer; er pendelte sich jedoch bei rund 50 Helfern ein.

1982 wurde ein weiterer Schritt zur Integration in die Freiwillige Feuerwehr getan. Die bis dahin von allen Helfern des ABC-Dienstes getragenen weißen ZS-Helme mussten gegen die üblichen Feuerwehrhelme ausgetauscht werden.

Bis zum Jahre 1986 gab es keine größeren Probleme im ABC-Dienst. Der ABC-Zug „Am Dornloh“ und die kommunalen Ausbildungsgruppe „Am Brögel“ versahen ihren Dienst, wobei man feststellen musste, dass die Zweiteilung in keiner Weise der Kameradschaft diente. Es gab richtige Konkurrenzkämpfe zwischen den beiden Standorten

Die Entstehung des ABC-Dienstes in Wuppertal (1966-1974)

Um es gleich vorweg zu sagen, ein definitives Gründungsdatum des ABC-Dienstes in Wuppertal gibt es nicht. Es war jedoch möglich, in Gesprächen mit Kameraden der Ersten Stunde, die Ereignisse soweit aufzubereiten, dass wir heute, im Jahre 1996, sagen können:

„Wir sind 30 Jahre alt.“

ImageIm Januar 1966 trafen sich die damaligen freiwilligen Helfer im Luftschutzdienst zum ersten Mal zur Fachausbildung im ABC-Dienst. In einem Schreiben desselben Jahres wurden die Helfer zu einem Treffen des ZS-ABC-Dienstes eingeladen.

Die notwendigen Fahrzeuge und Geräte waren anscheinend noch nicht alle in Wuppertal vorhanden. Im Jahre 1967 verfügte der ABC-Dienst der Stadt Wuppertal zwar über Entgiftungsanhänger, die dazugehörigen Entgiftungsfahrzeuge mussten jedoch von einer benachbarten Gemeinde für Ausbildungszwecke zur Verfügung gestellt werden.

Gemäß dem Katastrophenschutzgesetz des Bundes sind die Einheiten und Einrichtungen des Luftschutzhilfsdienstes (LSHD) in den Katastrophenschutz einzuordnen; als erste Maßnahme dieser Einordnung wurden sie 1966 auf die kreisfreien Städte und Landkreise übergeleitet.

Am 27. Februar 1972 erging die Weisung des Bundesministers des Inneren zur Einordnung des Luftschutzdienstes in den Katastrophenschutz. Die Stadt Wuppertal meldete am 5. Dezember 1972, dass sie folgende ABC-Komponenten in den Katastrophenschutz eingeordnet hat:

 

1. ABC-Zug mit:    2. ABC-Zug mit:
1 Führer   1 Führer
7 Unterführer   4 Unterführer
32 Helfer   33 Helfer
1 Kompressoranhänger   1 Kompressoranhänger
6 Entgiftungsanhänger   6 Entgiftungsanhänger
1 Funk-Kommando-Wagen   1 Funk-Kommando-Wagen
1 Entgiftungsfahrzeug   1 Entgiftungsfahrzeug
1 BSW   2 Tanklöschfahrzeuge
1 Mannschaftskraftwagen   1 Helfer

 

Einer möglichen Überführung in eine Trägerorganisation, wie z.B. der Feuerwehr, wurde von der Mehrzahl der Mitglieder im Jahre 1972 nicht zugestimmt. Alle Mitglieder trugen somit weiterhin die graue Arbeitskleidung mit dem Zivilschutz-Abzeichen am linken Ärmel; die braunen Kragenspiegel kennzeichneten jeden Angehörigen des ABC-Dienstes.

Ein ABC-Zug nach Stärke- und Ausstattungsnachweis (STAN)

Die ursprünglichen Überlegungen zur Einrichtung  eines ABC-Dienstes stellte der Bund bei einer Neuordnung des Katastrophenschutzes Anfang der 60-er Jahre an. Damals standen noch die Erfahrungen aus dem zweiten Weltkrieg im Vordergrund; somit sollte der ABC-Dienst zum Erkennen und Beseitigen von Gefahren durch atomare, biologische und chemische Kampfmittel eingesetzt werden. Der ABC-Dienst sollte dort tätig werden, wo Hilfs- und Rettungsmaßnahmen anderer Fachdienste (z.B.: Brandschutzdienst) durch die Auswirkungen von Kampfmitteln behindert werden. Dazu gehört insbesondere das Aufspüren, Messen und Kennzeichnen von Kontaminationen und die Dekontamination von Personen, Sachen und Gelände, sowie eine Trinkwassernotversorgung.
 
Schließlich wurden in der alten Bundesrepublik 245 ABC-Züge, als Teil der Fachdienste im erweiterten Katastrophenschutz, nach folgendem Muster aufgestellt:
 
Ein aus 42 Mann bestehender Zug gliedert sich in einen Zugtrupp, eine Erkundungsgruppe, eine Dekontaminationsgruppe für Personen und eine für Geräte bzw. Gelände. Zur Erfüllung dieser Aufgaben stattete der Bund jeden ABC-Zug mit zwei sogenannten Erkundungskraftwagen und einem Dekontaminations-Mehrzweckfahrzeug (DMF) aus. Hinzu kommen noch einige andere Fahrzeuge, die im Verteidigungsfall beordert, das heißt aus zivilen Beständen beschlagnahmt werden sollen. Die Geburtsstunde einer voll auf den Verteidigungsfall ausgerichteten Einheit war gekommen.

Die Weltsituation 1966

Wie kam es eigentlich zur Gründung eines ABC-Dienstes? Welche Aufgaben wurden dieser Einheit ursprünglich zugedacht?

Um diese Fragen beantworten zu können, sind in erster Linie weltpolitische Veränderungen von Bedeutung, die sich vor dem Jahre 1965 abspielten. Dieser kurze Rückblick soll die Ereignisse nach Kriegsende, die die ganze Welt in Atem hielten, noch einmal Revue passieren lassen.

Die ehemals gemeinsam gegen den deutschen Faschismus kämpfenden Großmächte USA und UdSSR, standen sich bereits kurz nach Kriegsende feindlich gegenüber. Die Sowjetunion bildete mit den Satellitenstaaten im östlichen Europa den „Warschauer Pakt“ als militärisches Bündnis. Ihm gegenüber bildete sich in Westeuropa (unter Führung der USA) das Nordatlantische Verteidigungsbündnis (NATO). Die Vereinten Nationen (UN), als gemeinsam gegründetes Organ zur Sicherung des Weltfriedens, vermochte nicht die Situation zu entschärfen. Stattdessen schloss sich der „Eiserne Vorhang“ durch Konflikte, wie den Koreakrieg 1950-53, den Algerienkrieg 1955 oder den Ungarnaufstand 1956, vollends.

Die Weltpolitik wurde bestimmt durch ein „Gleichgewicht des Schreckens“, das durch technologische „Fortschritte“ auf dem Gebiet der Waffentechnik mehr und mehr eskalierte. Die Abwürfe der ersten Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki (1945) zeigten in grausamen Maße die Auswirkungen der militärisch genutzten Kernspaltung. In den ersten 20 Jahren nach dem II. Weltkrieg konzentrierten sich die Blockstaaten auf die Entwicklung von Waffen mit immer verheerenden Auswirkungen, wobei Landes- oder Kontinentalgrenzen durch parallele Förderung der Raketentechnik für keinen Staat mehr Schutz bieten konnten. Bis 1963 wurden von den fünf entstandenen Atommächten (USA, UdSSR, Großbritannien, Frankreich, Volksrepublik China) im Schnitt ein Atomtest pro Woche durchgeführt, der Warschauer Pakt und die NATO wurden zu Atomstreitmächten umstrukturiert.

Die auf der ganzen Welt verbreitete Anspannung zur Zeit des Kalten Krieges machte sich im geteilten Deutschland als ‚Grenzstaat‘ im besonderen Maße bemerkbar. Seit 1956 wurde die Bundeswehr im Rahmen der NATO aufgebaut. Unter Verzicht auf atomare, biologische und chemische Kampfstoffe erreichte sie 1964 ihre Sollstärke von 500.000 Mann und wurde somit knapp zwei Jahrzehnte nach Beendigung des II. Weltkrieges zur größten westeuropäischen Streitmacht. Trotz des eigenen Verzichts auf ABC-Waffen war die Angst vor den Auswirkungen, verbunden mit der Unkenntnis über geeignete Schutzmaßnahmen, in der Öffentlichkeit spürbar.

Am 11. Dezember 1953 wurde die „Bundesanstalt für zivilen Luftschutz“ errichtet, deren Ziel es u.a. war, die Prüfung und Auswahl der für den Luftschutz bestimmten Geräte und Mittel durchzuführen. Durch das „1. Gesetz über Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung“ vom 9.Oktober 1957 wurde der zivile Luftschutz als Aufgabe des Bundes festgelegt (Schutz der Bevölkerung gegen die Gefahren von Luftanriffen und die im Zusammenhang mit Luftangriffen auftretenden Notstände zu beseitigen bzw. zu mildern). Hilfeleistungen und Rettungsmaßnahmen bei Friedenskatastrophen wurden dagegen durch die Länder getragen und finanziert.

Dem durch ein Gesetz vom 5. Dezember 1958 errichteten „Bundesamt für zivilen Bevölkerungsschutz“ wurden die bisherigen Aufgaben der Bundesanstalt für zivilen Luftschutz übertragen.

Mit dem Gesetz über die Erweiterung des Katastrophenschutzgesetzes (KatSG) vom 9. Juli 1968 wurde erstmalig die scharfe Trennung zwischen dem Katastrophenschutz im Frieden und dem Zivilschutz im Verteidigungsfall gelockert. Das Potential des Katastrophenschutzes wird den Bedürfnissen des Zivilschutzes entsprechend zusätzlich ausgestattet und verstärkt. Diese Zuordnung impliziert die Abstimmung und Vereinheitlichung der Grund- und der zusätzlichen Ausstattung.

Darüber hinaus legt das „Gesetz zur Änderung des Ersten Gesetzes über Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung“ vom 2. August 1976 fest, dass Einheiten, Einrichtungen und Anlagen des Zivilschutzes sowie deren Ausstattung auch im Frieden eingesetzt werden können.

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